Als allererstes Mal: krasses Pferd!

Als mir gestern ein Kumpel den Link geschickt hat zu der ZDF Mediathek, dachte ich erst. Was will er denn. Aber dann hab ich mal angeklickt und gleich die Einleitung des Sprechers packte mich. Das Video hat sich automagisch geladen und man hörte den Standardsprecher des ZDF: “November 2030, Ausnahmezustand in Berlin, mehrere Stadtviertel stehen in Flammen. Seit Tagen regiert ein aufgebrachter Mob. Mehrere Menschen sterben.”

Diese Jahreszahl, in Verbindung mit dem Setting hat mich stutzig gemacht und das erste was mir in den Kopf geschossen ist, war: Das könnte ein ideales SR-Setting werden. Shadowrun, als großer Einflussgeber in meinem Leben, läßt mich Filme und Situationen nach solchen Möglichkeiten absuchen, damit ich sie in einem Abenteuer verwenden kann, um meinen Spielern ein gutes Spielerlebnis zu bieten. Ich sollte nicht ahnen wie recht ich hatte.

Ein Film wie er sozialkritischer nicht sein könnte. Ich musste, als der letzte Satz des Sprechers erklungen war erst einmal schwer schlucken: “Die Darstellungen in diesem Film stellen eine mögliche, jedoch keine notwendige Zukunft dar, die verhindert werden könnte, wenn man jetzt die richtigen Entscheidungen trifft.”

 

Der Film ist der inoffizielle Nachfolger der ZDF Produktion “Aufstand der Alten” aus dem Jahre 2007 und hat quotentechnisch ganz schön abgeloost. Ich kann es nicht verstehen, allerdings bin ich auch einer der ein bisschen auf dieses Nischenangebot steht.

Zur Geschichte (Achtung Spoiler):

Ein Mann wird angeschossen in Berlin auf dem Gendarmenmarkt gefunden und in ein städtisches Krankenhaus verbracht, wo er wenig später stirbt. Eine Freundin von ihm, die er seit 30 Jahren durch die Arbeit bei den Milleniumskindern kennt kann sich mit seinem Tod nicht abfinden. Die Milleniumskinder ist eine ebenfalls fiktive Doku des ZDF, bei dem Kinder, die am 01.01.2000 geboren sind begleitet worden sind, um ihr Leben zu dokumentieren. Besagte Freundin kann allerdings nicht glauben, das der Hauptcharakter Tim Burdenski gestorben ist, und tippt sogar darauf, das es ein anderer Mann war, der Tim nur sehr ähnlich sah. Mit Hilfe einer Reporterin versucht sie nun auf die Spur des angeblich Getöteten zu kommen. Im Verlauf der Recherche stoßen sie auf diverse Hinweise, das sowohl Staatsanwaltschaft als auch Regierung versuchen die Sache zu vertuschen. Schließlich kommt heraus, das dem wirklich so ist, und Tim in einem der Armutsviertel untergekommen ist um sich zu verbergen. Den eigentlichen Grund kann man nicht fast nicht vorhersehen, deswegen werde ich ihn hier auch nicht aufführen, damit noch etwas Überraschung bleibt. Im Verlauf der Ermittlungen von Sophie und der Reporterin kristallisiert sich heraus, das ein Pfleger in dem öffentlichen Krankenhaus Totenscheine fälscht und so Menschen aus dem System herausnimmt und sie im Ghettoviertel von Berlin – Schöneberg, genannt Höllenberg – unterbringt. Diese Pfleger hat dort einen kleinen Staat im Staat organisiert, und beruft sich auf Nachbarschaftshilfe und Autarkie. Diese Pfleger wird durch die Ermittlungen bekannt und von einem SEK Kommando gestellt und schließlich bei der Flucht getötet. Daraufhin brechen in Berlin und allen anderen großen Städten Deutschlands Unruhen aus, die gegen das Establishment und gegen den Staat rebellieren. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, Menschen ohne Identität wurden einfach vergessen und brechen jetzt aus diesem Zustand aus, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Krawalle werden blutig niedergeschlagen und Tim ein weiteres Mal mit einem gefälschten Video als für tot erklärt. Zum Ende hin wird er endlich gefunden, stellt sich der Polizei und wird wegen eines Deliktes, das er begangen hat, und weswegen er ursprünglich vom SEK angeschossen wurde zu 2 Jahren auf Bewährung verurteilt. Damit endet der Film nach einer Rückblende auf seine Kindheit und dem Endsatz des Sprechers.

 

Zur Darstellung:

Hier kommen jetzt wieder die Insidersachen für Rollenspieler, vorrangig Shadowrunner ins Spiel: Genau so stelle ich mir den Ausbruch der Anarchie in Berlin vor! Dieser Film hatte alles, was nicht nur das Berlin Quellenbuch, sondern auch das Shadowrun Setting im Allgemeinen beschreibt. Eine ewige Kluft zwischen Arm und Reich. Praktisch keine Gesundheitsvorsorge, SINlose Bürger, die sich in ihren Barrens ein eigenes Leben aufgebaut haben. Die Darstellung der Lebensumstände dieser Menschen war extrem gut, das reichte von der Tafel, über die Wohnräume tief unterhalb der menschlichen Gesellschaft in irgendwelchen Kellern, sowie Supermärkten, die zwar horrende Preise haben, dafür aber auch verschreibungspflichtige Medikamente und eine garantierte Kamerafreiheit bieten, bis zu der extremst guten Abbildung einer Schattenklinik in einem alten U-Bahn-Schacht. Das einzige Manko, das mir aufgefallen ist, war die penible Sauberkeit der Fingernägel von Tim, als er gerade aus dem Ghetto herauskam und eine Nahaufnahme auf seine Hände gefahren wurde.

Ansonsten aber ein überaus authentisch und realistisch wirkende Aufführung einer Welt, die ich so niemals erleben möchte, auch wenn ich sie in meiner Fantasie jede Woche mit meinen Freunden Wirklichkeit werden lasse.

 

Quelle: ZDF Mediathek

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1227348/2030—Aufstand-der-Jungen?setTime=8#/beitrag/video/1227348/2030—Aufstand-der-Jungen