So oder so ähnlich hab ich das schon zig mal gehört. Und wenn man drüber nachdenkt, dann kann einem das auch schnell so vor kommen. Der typische Vater führt im Prinzip eine Wochenendbeziehung mit seinem Kind. Morgens aus dem Haus, bevor oder gerade während es wach wird. Abends wieder zurück von der Arbeit wenn es gerade ins Bett geht und vielleicht noch eine halbe Stunde hat, in der es Abendbrot essen soll. Hervorragend oder? Einfach morgens zur Arbeit fahren und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. Dort von einem Termin zum anderen hetzen und abends nach Hause kommen und für ne Stunde der Held sein, der mit dem Kind rumbalgt und es zum Lachen bringt. Währenddessen sitzt eine frustrierte Mutter daneben und ärgert sich (zu recht), dass der Quälgeist auf einmal das liebste Kind ist.

Ich habe von vielen Vätern gehört, das sie es genießen zur Arbeit zu gehen, weil sie dann nämlich Ruhe vor dem ganzen Trubel haben. “So’n bisschen aufs Kind aufpassen ist doch nicht schwer” ist da noch das harmloseste was ich gehört habe und einer der wenigen Aussprüche der nicht persönlich gegen Mutter oder Kind gerichtet ist. Ich habe aber während meiner BW Zeit auch schon ganz andere Sachen gehört, die ich hier nicht wiedergeben werde. Scheinbar bin ich da irgendwie anders gepolt. Ich liebe meine Familie und ich hasse es jeden Morgen aus dem Haus gehen zu müssen und zu verpassen, wie mein Sohn seine ganzen “First’s” durchprobiert. Robben, Krabbeln, Hinhocken. Alles Dinge die ich verpasst habe, weil ich “uff Maloche” war. Bitte nicht falsch verstehen. Ich mag meinen neuen Job und ich bin froh, diese Stelle gefunden zu haben. Das Team ist der Hammer, die Arbeitszeiten eigentlich genial wenn mans genau nimmt und ich habe das Gehalt bekommen, das ich mir vorgestellt habe. Was will man mehr? Da hat es andere schon deutlich schllimmer erwischt.

Die Entscheidung, das ich arbeiten gehe während mein Schatz zu Hause bleibt war eine relativ einfache. Ihre Firma wurde gerade zu Beginn ihres Mutterschutzes von Hannover nach Berlin verlegt und somit wäre ihr Gehalt fürs Pendeln alleine drauf gegangen. Ganz zu schweigen davon, das es Schwachsinn wäre für einen Halbtagsjob nach Berlin zu pendeln wenn es hier in Hannover bessere Jobs gibt. Also war von vorneherein klar dass ich versuche nach dem Studium ne Stelle zu bekommen die unsere Familie ernährt. Traditionelles Rollenbild? Vielleicht. Aber mal davon ab, dass mein Beruf höhere Einstiegsgehälter hat, hat sich meine Frau auch einfach gewünscht zu Hause zu bleiben. Einen Wunsch den ich nur teilen kann. Also war ich fast ganz froh darüber, dass ich ein paar Monate nach dem Studium arbeitslos war. So konnte ich das erste halbe Jahr mit meiner Familie gemeinsam verbringen. Freilich kein Dauerzustand, aber ein nettes Goody für den Start und eine Entlastung für meinen Sonnenstrahl, der mit einer Kaiserschnittnarbe zu kämpfen hatte.

Seit vier Monaten bin ich nun in meinem Beruf und meine Familie ist alleine zu Hause. Jeden Abend komme ich nach Hause und kann eine Stunde mit meinem Sohn verbringen und jedes Mal wenn ich nach Hause komme freut er mich an und ist das liebste Kind. Währenddessen sitzt eine frustrierte Mutter… und so weiter. Es läuft genau so ab. Und ich finde es wichtig, das es mal erwähnt wird.

Väter die arbeiten müssen oder sich eventuell sogar freuen arbeiten gehen zu können, damit sie nicht zu Hause sein müssen: Freut euch und schätzt euch glücklich, das ihr eure Frauen habt. Sie betüddeln eure Kinder, versorgen den Haushalt und wenn ihr nach Hause kommt, dann steht wahrscheinlich auch schon das Abendessen auf dem Tisch. Ich kann nicht nachvollziehen wie jemand dem Partner vorwerfen kann dass “so’n bisschen Haushalt” ja nicht so schwer zu bewältigen sein kann. Doch, kann es! Und ist es. Ich ziehe meinen Hut vor jedem alleinerziehenden Elternteil, der sich nicht nur um die Belange seines Kindes kümmern muss, sondern auch noch irgendwie Geld ranschaffen muss damit der/die/das Junior eine vernünftige Zukunft hat.

Aber noch mehr ziehe ich den Hut vor meiner Frau die mit unserem Kleinen tagtäglich alleine ist. Auch wenn er beileibe kein Schreikind war und wir von irgendwelchen Koliken verschont geblieben sind, kann es schon ganz schön anstrengend sein. Gerade jetzt sind die Zähne dran und er ist sehr ungeduldig wenn etwas nicht sofort so klappt wie er das möchte. Sei es aufstehen oder irgendwelche Sachen erreichen oder einfach nur an nem Tischbein vorbeikrabbeln anstatt mittendurch (was stellen die sich auch immer in den Weg!). Zusätzlich war er die letzte Woche noch krank. Er hatte seine erste Erkältung und war dementsprechend nicht besser drauf. Aus genau diesem Grunde ist es mir ein Vergnügen abends zu meiner Frau zu sagen: “Feierabend, genieß den Resttag” und dann die Nachtschicht zu übernehmen. Ich bring ihn ins Bett (wenn ich ihn schon morgens nicht begrüßen kann) und füttere ihn nachts (falls er denn nochmal wach wird). Und das mache ich mit großer Freude. Nicht nur, weil ich dann Zeit mit meinem Sohn verbringen kann, sondern auch, weil ich Nora damit entlasten kann. Wer weiß wie es ist nicht mehr in den Schlaf zu kommen wenn man einmal wach ist, wird das verstehen. Da ich damit keine Probleme habe, ist es für mich ein Leichtes, nachts aufzustehen, meinen Sohn zu versorgen und dann wieder ins Bett zu gehen.

Und, nur um das nochmal zusammenzufassen, genau deswegen liebe ich meine Frau und bin überglücklich, das sie mir nicht nur meinen wunderbaren Sohn geschenkt hat, sondern das sie auch für ihn da ist, wenn ich zur Arbeit gehen muss. Das sie tagsüber seine Launen erträgt, weil er krank ist und sich nicht anders ausdrücken kann als mit Schreien oder Quengeln.

Ich liebe dich über alles mein Sonnenstrahl. Ich bewundere dich für die Kraft die du aufbringst um jeden Tag ein Lächeln für unseren Knubbel übrig zu haben damit er eine unbeschwerte Kindheit hat, selbst wenn ihm Zahnschmerzen, Verstopfungen oder Erkältungen das kleine Leben schwer machen.

Danke!